Fotografien aus einem Wald im Übergang
Erster Eindruck
Ein Tagesausflug von Bad Harzburg führt zu den Rabenklippen.
Der Blick reicht bis zum Brocken.
Doch zuerst bleibt er an den Stämmen hängen.
Silbrig-braun glänzendes Totholz.
Aufrechte Gerippe.
Eine Landschaft, die im ersten Moment erschreckt.
Was einmal dichter Fichtenwald war,
wirkt offen, trocken, verletzt.
Der erste Eindruck ist trostlos.
Fast dystopisch.

Der Wald ist nicht verschwunden
Doch dieser Eindruck täuscht.
Der Wald ist nicht einfach verschwunden.
Er befindet sich im Umbruch.
Zwischen den abgestorbenen Stämmen
findet neues Leben Platz.
Junge Fichten.
Buchen.
Birken, Espen, Ebereschen.
Was wie Ende aussieht,
ist auch Übergang.



Warum dieser Wandel sichtbar wird
Der Wandel hat viele Ursachen.
Trockenheit.
Stürme.
Hitze.
Geschwächte Fichten.
Borkenkäfer.
Viele der Fichtenbestände im Harz waren menschengemacht:
schnell wachsend,
wirtschaftlich nützlich,
aber an vielen Standorten wenig widerstandsfähig.
Der Klimawandel hat diese Schwäche sichtbar gemacht.
Fotografischer Blick
Mich interessiert an diesem Wald nicht nur sein Zustand.
Mich interessiert der Übergang.
Die stehenden Stämme.
Die offenen Flächen.
Das harte Licht.
Die Linien der toten Äste.
Die jungen Pflanzen dazwischen.
Der Wald zeigt sich nicht als geschlossenes Bild,
sondern als Schichtung:
Vergangenheit,
Zerfall,
Neubeginn.


Wegzeichen
Zwischen den Stämmen finden sich Zeichen.
Gemalte Markierungen.
Hinweise für Wanderwege.
Farbspuren auf borkiger Rinde.
Sie zeigen Wege an,
während der Wald selbst seine Gestalt verändert.
Manche Zeichen wirken nüchtern.
Andere fast wie kleine Bilder:
Farbe auf Holz,
Ordnung auf einer unruhigen Oberfläche.
Als Mosaik gelesen,
werden sie zu einer zweiten Spur im Projekt.
Nicht nur der Wald wandelt sich.
Auch unsere Orientierung darin verändert sich.









Kontext
Im Nationalpark Harz wird der Waldwandel unterschiedlich sichtbar.
In vielen Bereichen darf Natur Natur sein.
Totholz bleibt liegen oder stehen.
Es wird Lebensraum,
Schutz,
Nährstoff,
Ausgangspunkt neuer Waldentwicklung.
In anderen Bereichen wird der Wandel begleitet,
etwa durch Pflanzungen oder Maßnahmen zum Schutz angrenzender Wirtschaftswälder.
So entsteht kein einfacher Zustand,
sondern ein vielschichtiger Übergang:
zwischen ehemaligem Wirtschaftswald,
Klimafolge,
Naturdynamik
und zukünftiger Wildnis.
Weitere Informationen: Nationalpark Harz — Waldwandel zur Wildnis.
Was bleibt
Wald im Wandel zeigt keinen verlorenen Wald.
Die Fotografien zeigen einen Zustand dazwischen.
Was abgestorben ist,
bleibt sichtbar.
Was neu entsteht,
ist noch klein.
Dazwischen:
Wege,
Zeichen,
Rinde,
Licht.
Ein Wald,
der nicht stillsteht,
sondern seine Form verändert.

Am Rand des Ausflugs entstand auch ein Porträt der Luchsin Pamina.
Mehr dazu im Journalbeitrag.