Fotoprojekt - In Conflict

Conflict Zone Living Room

Digitale Fotografie, 40x60cm

Ein Wohnzimmer.
Ein Rückzugsort.
Ein vertrauter Raum.

Der Abend beginnt ruhig.
Couch, Licht, Bildschirm, Alltag.

Die Vorfreude auf einen gemütlichen Filmabend ist da.
Chips und Getränke stehen bereit.

Dann brechen Bilder hinein.

Nachrichten aus Konfliktzonen,
Gewalt, Zerstörung, Krieg.

Sie erscheinen auf dem Bildschirm
und verschieben den Raum,
in dem sie gesehen werden.

Der private Innenraum bleibt derselbe —
und ist es doch nicht mehr.

Conflict Zone Living Room

Inszenierter Wohnraum mit projizierter Hausruine und Selbstportrait.

Die Abendnachrichten platzen in den eigenen Wohnraum.
Sie konfrontieren uns mit bewaffneten Konflikten,
mit Gewalt und Kriegsverbrechen.

Wir sehen und hören davon aus der Ferne.
Nicht vor Ort.
Nicht unmittelbar beteiligt.

Und doch nicht unberührt.

Der eigene Rückzugsbereich bietet Schutz —
aber keine Möglichkeit zu helfen.
Und keine Möglichkeit, sich der Wahrnehmung ganz zu entziehen.

Conflict Zone Living Room fragt danach,
was Nachrichten von Kriegen und gewalttätigen Konflikten mit uns machen,
wenn sie in unseren Alltag eindringen.

Ein Konflikt, der draußen geschieht —
und dennoch im Inneren weiterwirkt.

Ausgangspunkt / Kontext

Ausgangspunkt der Arbeit war das Thema „In Conflict“ im Rahmen des Celeste Prize 2017.

Der Bezug zu Krieg, Zerstörung und medialer Berichterstattung war dabei nicht als Dokumentation eines einzelnen Ereignisses gedacht.
Entscheidend war für mich die Frage, wie solche Nachrichten im privaten Raum ankommen — und wie sie dort die Wahrnehmung verändern.

Bildentstehung / Arbeitsweise

Für die Arbeit habe ich Elemente eines zerstörten Hauses in den Wohnraum übertragen.

Das Gebäude befand sich in Hamburg und wurde abgerissen.
Das Foto der Hausruine wurde nachträglich bearbeitet und als Projektion in die Szene eingefügt.

So verändert sich der vertraute Ort:
Wohnzimmer, Couch, Fernseher und Alltagsgegenstände bleiben sichtbar.
Gleichzeitig dringt ein Bild der Zerstörung in diesen geschützten Raum ein.

Der Nachrichtensprecher ist ein Selbstportrait.
Nicht als Reporter vor Ort,
sondern als Figur im eigenen medialen Innenraum.

Abeitsmaterial

Vor einem neutralen Hintergrund aufgenommen,
wurde das Selbstportrait an die Erscheinung einer Nachrichtensendung des Deutschen Fernsehens angepasst.

Die Szene ist arrangiert.
Fiktional im Aufbau —
und dennoch real in ihrer Grundlage.

Die Arbeit zeigt keinen konkreten Krieg.
Sie zeigt einen Zustand der Wahrnehmung.

Nachrichten erreichen uns aus der Ferne.
Aber sie bleiben nicht draußen.

Sie erscheinen im eigenen Raum.
Und wirken dort weiter.